Verlagsdigitalisierung: Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist
Digital ist im Publishing längst kein Nebenkanal mehr. Es ist der Bereich, in dem sich Wachstum planbarer steuern lässt, in dem neue Produktformen entstehen und in dem sich Kundenbindung messbar aufbauen lässt. Genau deshalb lohnt es sich, gerade jetzt die eigene Digitalstrategie nicht nur weiterzuführen, sondern bewusst zu schärfen.
Die Marktdaten zeigen die Richtung klar. Bei deutschen Zeitungsverlagen wachsen digitale Erlöse weiter. Der BDZV weist für 2024 rund 896 Mio. € digitale Umsätze aus, ein Plus von gut 9 %. Zusätzlich kommen 586 Mio. € E-Paper-Vertriebserlöse hinzu. Digital macht damit einen relevanten Anteil am Gesamtgeschäft aus und gewinnt weiter an Gewicht. Für Fachverlage ist das Bild ähnlich, nur breiter aufgestellt. Die Fachpresse-Statistik nennt für 2024 einen Gesamtumsatz von 8,55 Mrd. €, davon 3,93 Mrd. € digital. Print bleibt immer noch wichtig, aber die Wertschöpfung verschiebt sich spürbar.
Digital Publishing – Eine Frage der Strategie
Die entscheidende Frage lautet damit weniger „ob“, sondern „wie“. Denn wer Digital nur „mitmacht“, bleibt austauschbar. Wachstum wird dann stark von Plattformen, Reichweitenlogiken und externen Algorithmen geprägt. Wer Digital dagegen als Produktgeschäft führt, gewinnt Kontrolle: über Kundenzugang, Erlöse und Weiterentwicklung. In Projekten sehen wir immer wieder, dass sich planbares Wachstum auf drei Grundlagen stützt: eine direkte Beziehung zur Zielgruppe, ein Monetarisierungsmodell, das nicht an der Paywall endet, und eine technische Basis, die Experimente und neue Kanäle schnell möglich macht.
Direkte Beziehung heißt in der Praxis: Login und Consent sind nicht nur Compliance-Themen, sondern die Grundlage für First-Party-Beziehungen. Newsletter, App und CRM-Strecken funktionieren erst dann wirklich gut, wenn Identitäten sauber geführt und Einwilligungen konsistent verwaltet werden. Das klingt technisch, ist aber ein betriebswirtschaftlicher Hebel, weil damit Personalisierung, Conversion-Strecken und Retention überhaupt zuverlässig skalieren.
Monetarisierung wiederum ist kein einzelnes Projekt. Paywall ist nur die Oberfläche. Entscheidend ist das System darunter: Angebote und Bundles, Onboarding, Abwanderungsvermeidung, Upsells, Preislogiken, Zusatzprodukte. Genau hier entstehen die Effekte, die Digital planbar machen. Wer diese Mechanik beherrscht, kann testen, lernen und verbessern, ohne jedes Mal große Relaunches auszulösen.
Damit das möglich wird, braucht es eine Plattform, die Geschwindigkeit erlaubt. Viele Digitalinitiativen scheitern nicht an Ideen, sondern an Umsetzungsfriktion. Wenn Inhalte in Silos stecken, Integrationen „Sonderfälle“ sind und Releases schwerfällig laufen, wird jedes Experiment teuer. Eine modulare Publishing-Plattform, die API-first gedacht ist, mit einem sauberen Identity-Layer und einem Data-Layer, der nicht in Inseln endet, schafft hier den Unterschied. Dann werden neue Kanäle nicht zu Großprojekten, sondern zu iterativen Produktbausteinen. Und die Organisation kann lernen, statt nur umzusetzen.
Case Study: „le menu“ App
Wie so etwas konkret aussehen kann, zeigt die Case Study eines unserer App Projekte für einen Schweizer Kunden. „le menu“ ist eine etablierte kulinarische Marke, die Print und Digital kombiniert. Laut Mediadaten erreicht das Magazin 232.000 Leser:innen, der Newsletter hat 75.000 Abonnent:innen. Ziel war, das Angebot um eine App zu erweitern, aber nicht als reine „Mobilversion“, sondern als Produkt mit eigenem Nutzenprofil und einem tragfähigen digitalen Geschäftsmodell.

Das Konzept setzt deshalb nicht primär auf Suche, sondern auf Inspiration. Im Mittelpunkt stehen Geschmackskombinationen: Ein Generator kombiniert Zutaten und führt zu passenden Rezeptideen. Design und UX wurden von Gotomo entwickelt, während impac die App-Umsetzung und die Anbindung an die bestehenden Inhalte und Systeme verantwortet hat. Das Ergebnis ist nicht nur eine neue Oberfläche, sondern ein zusätzlicher Baustein im digitalen Produktportfolio, der sowohl Loyalität stärkt als auch Erlöse ermöglicht. Im App-Store-Auftritt ist klar erkennbar, dass die App über Premium-Abos sowie In-App-Käufe monetarisiert werden kann. Das App Konzept überzeugte auch die Jury: Die App wurde kurz nach dem Start mit dem German Design Award ausgezeichnet.
An diesem Beispiel lässt sich gut ablesen, worauf es Verlagen heute ankommt. Apps funktionieren nicht, weil sie „auch noch da“ sind, sondern weil sie einen klaren Nutzen liefern, den Web und Print so nicht abdecken. Monetarisierung funktioniert nicht als Nachtrag, sondern muss in der Produktlogik stecken. Und Skalierung entsteht nicht durch mehr Projekte, sondern durch eine technische Basis, die Veränderung einfach macht.
Die beste Zeit für die richtige Plattform
Genau deshalb ist die Marktsituation aktuell so interessant. Digital wächst, sowohl im allgemeinen Verlagsspektrum als auch im Fachmedienmarkt. Gleichzeitig werden die Anforderungen klarer: First-Party, Datenqualität, Produktlogik, Plattformgeschwindigkeit. Wer diese Grundlagen jetzt sauber aufstellt, kann neue Erlösmodelle schneller testen, Kanäle effizienter ausbauen und die eigene Marke unabhängiger von externen Plattformlogiken entwickeln.
impac positioniert sich genau an dieser Schnittstelle. Wir verbinden strategische Zielbilder mit der Umsetzung in Plattformen und Apps.
Der Weg zum Ziel läuft pragmatisch mit einer kurzen Bestandsaufnahme: Wo steht ihr Unternehmen bei First-Party, Monetarisierung und Plattform. Und welche zwei bis drei Schritte bringen in den nächsten 90 Tagen den größten Effekt.
